Wenn Einsatzfahrzeuge kommen: Wie Kinder richtig reagieren
von pn-redaktion
Blaulicht und Martinshorn fallen Kindern sofort auf. Viele beobachten neugierig, wenn Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst mit eingeschaltetem Sondersignal unterwegs sind. Gleichzeitig entstehen im Strassenverkehr ungewohnte Situationen. Fahrzeuge halten an, Menschen bleiben stehen und der gewohnte Verkehrsablauf verändert sich innerhalb weniger Sekunden. Gerade auf dem Schulweg ist es deshalb wichtig, dass Kinder wissen, wie sie sich richtig verhalten.
In diesem Artikel erfahren Sie, warum Einsatzfahrzeuge besondere Aufmerksamkeit erfordern und wie Sie Ihr Kind auf solche Situationen vorbereiten.
Warum Einsatzfahrzeuge besondere Aufmerksamkeit erfordern
Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst sind häufig unterwegs, wenn schnelle Hilfe gefragt ist. Damit sie ihr Ziel möglichst rasch erreichen, dürfen sie unter bestimmten Voraussetzungen von den üblichen Verkehrsregeln abweichen. Andere Verkehrsteilnehmer schaffen deshalb Platz oder bleiben stehen.
Für Kinder wirkt diese Situation oft ungewohnt. Sie sehen, dass Autos plötzlich anhalten oder ihre Fahrtrichtung ändern. Gleichzeitig fällt es ihnen nicht immer leicht einzuschätzen, woher das Einsatzfahrzeug kommt oder welchen Weg es nehmen wird.
Auf dem Schulweg begegnen Kinder Einsatzfahrzeugen an Kreuzungen, auf Hauptstrassen oder in Wohnquartieren. Deshalb ist dieses Thema ein wichtiger Teil der Verkehrserziehung.
Martinshorn hören und aufmerksam werden
Häufig ist zunächst nur das Martinshorn zu hören. Das eigentliche Fahrzeug befindet sich oft noch ausser Sicht. Für Kinder ist das nicht immer leicht einzuordnen. Sie suchen das Geräusch in der Richtung, in die sie gerade blicken, obwohl das Einsatzfahrzeug auch aus einer Seitenstrasse oder von hinten kommen kann.
Deshalb sollten Kinder lernen, bei einem Martinshorn zunächst stehen zu bleiben und sich umzusehen. Erst wenn klar ist, aus welcher Richtung das Fahrzeug kommt, lässt sich die Situation richtig einschätzen.
Hilfreich ist auch der Hinweis, dass sich der Klang zwischen Häusern oder an Kreuzungen verändert. Das Martinshorn kann dadurch näher oder weiter entfernt wirken, als es tatsächlich ist. Umso wichtiger bleibt es, aufmerksam in alle Richtungen zu schauen.
Ruhig bleiben und nicht vorschnell handeln
Viele Kinder reagieren spontan, wenn sie ein Einsatzfahrzeug entdecken. Manche möchten möglichst nah herangehen, andere laufen schnell weiter, bevor das Fahrzeug eintrifft. Beides erhöht das Unfallrisiko.
Sinnvoller ist es, zunächst stehen zu bleiben und genügend Abstand zur Fahrbahn einzuhalten. Hektische Bewegungen erschweren es anderen Verkehrsteilnehmern zusätzlich, die Situation richtig einzuschätzen.
Kinder sollten ausserdem wissen, dass Einsatzfahrzeuge ihre Fahrtrichtung kurzfristig ändern können. Sie biegen unter Umständen an einer Kreuzung ab oder fahren auf einer anderen Spur weiter als erwartet. Deshalb lohnt es sich, abzuwarten, bis das Fahrzeug vollständig vorbeigefahren ist.
Besondere Vorsicht am Fussgängerstreifen
Am Fussgängerstreifen verlassen sich Kinder häufig darauf, dass Fahrzeuge anhalten. Nähert sich gleichzeitig ein Einsatzfahrzeug, verändert sich die Situation.
Kinder, die bereits am Strassenrand warten, sollten die Verkehrssituation aufmerksam beobachten. Auch wenn andere Fahrzeuge anhalten, bedeutet das nicht automatisch, dass die Strasse sofort überquert werden kann. Zunächst muss eindeutig erkennbar sein, wo sich das Einsatzfahrzeug befindet und welchen Weg es nimmt.
Erst wenn kein Einsatzfahrzeug mehr naht und die Situation eindeutig überschaubar ist, sollte die Strasse überquert werden.
Unterwegs mit dem Velo oder Trottinett
Kinder, die mit dem Velo oder Trottinett zur Schule fahren, benötigen ebenfalls klare Verhaltensregeln. Hören sie ein Martinshorn, sollten sie ihre Geschwindigkeit reduzieren und die Verkehrssituation aufmerksam beobachten.
Falls möglich, fahren sie an den rechten Fahrbahnrand oder bleiben an einer sicheren Stelle stehen. Plötzliche Richtungswechsel oder Bremsmanöver ohne Umsicht sollten vermieden werden.
Auch nach dem Vorbeifahren des Einsatzfahrzeugs lohnt sich ein kurzer Blick auf den übrigen Verkehr. Viele Fahrzeuge setzen ihre Fahrt gleichzeitig fort oder wechseln wieder auf ihre ursprüngliche Fahrspur.
Wenn mehrere Einsatzfahrzeuge unterwegs sind
Kinder gehen oft davon aus, dass nach einem einzelnen Einsatzfahrzeug wieder alles normal verläuft. Unter Umständen folgen jedoch weitere Fahrzeuge.
Wer unmittelbar nach dem ersten Fahrzeug losläuft oder die Strasse überquert, bringt sich dadurch möglicherweise in Gefahr. Deshalb sollten Kinder einige Sekunden warten und nochmals sorgfältig nach beiden Seiten schauen.
Erst wenn kein weiteres Martinshorn mehr zu hören ist und die Strasse frei erscheint, geht der Schulweg weiter.
Gemeinsam richtiges Verhalten üben
Kinder lernen Verkehrsregeln besonders gut, wenn sie diese im Alltag anwenden. Hören Eltern unterwegs ein Martinshorn, bietet sich eine gute Gelegenheit, gemeinsam über die Situation zu sprechen.
Fragen wie „Woher kommt das Geräusch?“, „Warum bleiben die Autos stehen?“ oder „Was würdest du jetzt tun?“ fördern das Verständnis und helfen Kindern, Zusammenhänge besser zu erkennen.
Ebenso sinnvoll ist es, den Schulweg gemeinsam abzugehen und auf mögliche Situationen hinzuweisen. An grösseren Kreuzungen oder stark befahrenen Strassen lässt sich gut erklären, warum überlegtes Handeln in solchen Situationen besonders wichtig ist.
Rollenspiele können das Gelernte zusätzlich festigen. Dabei überlegen Kinder gemeinsam mit ihren Eltern, wie sie reagieren würden, wenn sie an einem Fussgängerstreifen stehen oder mit dem Velo unterwegs sind und plötzlich ein Martinshorn hören. Solche Übungen vermitteln Sicherheit, ohne Angst zu machen.
Typische Fehler vermeiden
Viele Unsicherheiten entstehen aus Neugier. Kinder möchten sehen, welches Einsatzfahrzeug unterwegs ist oder wohin es fährt. Dabei geraten sie leicht in Versuchung, näher an die Fahrbahn zu treten oder den Blick nur noch auf das Blaulicht zu richten.
Ebenso problematisch ist es, direkt nach dem Vorbeifahren des Fahrzeugs weiterzugehen, ohne den übrigen Verkehr zu beachten. Häufig richten auch andere Verkehrsteilnehmer ihre Aufmerksamkeit zunächst auf den Einsatz und nehmen Fussgänger erst später wahr.
Eltern sollten ihrem Kind deshalb vermitteln, dass nicht das Beobachten des Einsatzfahrzeugs im Vordergrund steht, sondern die eigene Sicherheit. Wer ruhig bleibt, den übrigen Verkehr aufmerksam beobachtet und erst weitergeht, wenn keine Gefahr mehr besteht, verhält sich richtig. Solche einfachen Regeln geben Kindern Orientierung und helfen ihnen, auch in ungewohnten Situationen sicher auf dem Schulweg unterwegs zu sein.
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